Eine Rekordzahl sorgt in den USA für Aufsehen am Immobilienmarkt. Es gab im August 57,9 % mehr Verkäufer als Käufer, das ist laut Redfin die größte Lücke seit Beginn der Erhebung im Jahr 2013.
Es klingt, als gäbe es zu viele Häuser zum Verkauf in Amerika. Dennoch finden die meisten Häuser keinen Käufer. Redfin schätzt, dass etwa 972.300 Hauskäufer auf dem Markt bleiben.
BREAKING ????: Housing Market
Home Sellers outnumber Home Buyers by 58%, the largest gap ever recorded ???? ????
— Barchart (@Barchart) September 11, 2026
Amerika hat ein Käufer-Problem
Redfin zählte im August 1,53 Millionen Verkäufer, der höchste Wert seit Anfang 2020. Die Zahl der angebotenen Häuser stieg innerhalb eines Monats um 3,9 %. Die Zahl der Käufer stieg nur um 0,1 % gegenüber Juli, dem Monat mit der bisher niedrigsten Käuferzahl in der Statistik.
Das Angebot erholt sich, aber die Nachfrage bleibt historisch schwach.
„Da immer mehr Verkäufer auf den Markt kommen und die Nachfrage schwach bleibt, können sich die Käufer heutzutage vieles aussuchen, sagte Redfin-Chefökonom Asad Khan .
Im Sun Belt ist der Unterschied besonders deutlich: In Nashville gab es 139 % mehr Verkäufer als Käufer. In Miami waren es 138 %, in Houston 131 %.
San Francisco entwickelt sich in die andere Richtung. Die Stadt ist nun eine von nur fünf Verkäufer-Märkten, unterstützt von einem knapperen Angebot und Wohlstand durch den KI-Boom.
Die Kluft schlägt sich auch auf die Preise nieder. In Verkäufer-Märkten stiegen die Hauspreise im August im Jahresvergleich um 5,5 %. In Käufer-Märkten waren es nur 1,6 %.
US homebuyers are quitting.
There were an estimated +51.3% more home sellers than buyers in July, the 2nd highest level on record.
This percentage has doubled over the last 2 years.
By comparison, an all-time high of +51.8% was recorded in December 2025.
This comes as the…
— The Kobeissi Letter (@KobeissiLetter) August 23, 2026
Warum Märkte das beachten sollten
Dieses Rekordniveau ist wichtig, weil es zeigt, wie hohe Zinsen die US-Wirtschaft beeinflussen.
Der durchschnittliche Zinssatz für eine 30-jährige Hypothek liegt aktuell bei 6,76 %. Auf diesem Niveau ziehen sich Käufer aus einem der zinssensibelsten Märkte Amerikas zurück.
Wenn das anhält, könnte dies den Wohnungsbau, die Ausgaben der Haushalte und am Ende auch die Unternehmensgewinne belasten.
Für Aktien ist das eine schwierige Ausgangslage. Der Immobilienmarkt war bisher einer der wichtigsten Wege, wie die geldpolitische Straffung die Gesamtwirtschaft erreicht.
Die Preise müssen dafür nicht crashen, es reicht, wenn die Aktivitäten längere Zeit schwach bleiben.
Wie sich Hypothekenzinsen in den letzten zehn Jahren auf Bitcoin und S&P 500 auswirkten
Auch Bitcoin ist von ähnlichen makroökonomischen Entwicklungen betroffen. Höhere Renditen für US-Staatsanleihen schränken die Liquidität ein und machen risikoreiche Vermögenswerte weniger attraktiv. Laut Forschungen des IWF schadet eine straffere US-Geldpolitik sowohl Krypto als auch Aktien.
Allerdings gibt es einen Aspekt zu beachten: Eine stark geschwächte Immobiliennachfrage könnte die Renditen wieder senken und damit die Argumente für eine lockerere Geldpolitik stärken. Dies würde die Liquidität sowohl für Aktien als auch für Bitcoin verbessern.
Das Rekordhoch bei den Verkäufern signalisiert daher keinen Crash an sich. Es ist ein weiteres Indiz für die These des 18-jährigen Immobilienzyklus: Wenn der Immobilienmarkt nun kippt, ist entscheidend, ob die Schwäche dort begrenzt bleibt.

